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Siegerstück gibt alten Scheiben neues Leben


Behutsam setzt Benedikt Held die Nadel auf die sich drehende Platte. Aus den Boxen ertönt „So far away“ – der Hit von den Dire Straits erfüllt den Ausstellungsraum in der Handwerkskammer zu Köln. Stolz erklärt Benedikt Held die Feinheiten seines Gesellenstücks. Mit seiner „Musiktruhe Roswitha“ schafft er es nicht nur, den alten Vinyl-Tonträgern neues Leben einzuhauchen, sondern konnte auch den diesjährigen Landeswettbewerb um „die gute form“ für sich entscheiden.

Das fast drei Meter lange Board des Kölner Tischlergesellen (Ausbildungsbetrieb: Gesellschaft für neue Innenraum-Kultur mbH, Köln) ist aus Rüster und Linoleum gearbeitet und verbirgt unter einer seiner drei Klappen ein „altes Schätzchen“: einen Bang & Olufsen-Plattenspieler aus den 70er Jahren. „Das alte Gerät so sorgfältig und liebevoll in das Möbel zu integrieren, ist nicht museal konservierend, sondern Ausdruck neuer Wertschätzung der Schallplatte, die sich – längst totgesagt – neuer Liebhaber erfreut“, heißt es im Juryurteil.

Vorbilder aus der Vergangenheit
Inspirieren ließ sich Benedikt Held, der vor seiner Tischlerausbildung als Luftrettungsassistent gearbeitet hat, von Musiktruhen aus den 50er und 60er Jahren. „Die bestanden immer aus einem Plattenspieler, einer Minibar und manchmal einem Radio“, sagt der 31-Jährige. „So etwas gibt es heute gar nicht mehr – also habe ich es gebaut.“ Und natürlich brauchte die Musiktruhe – wie ihre Vorbilder aus der Vergangenheit – auch einen Namen. „Roswitha war der erste Name, der mir in den Sinn kam“, sagt er und schmunzelt. Als besonderen Clou hat Benedikt Held für die Abdeckung des Plattenspielers ein ganz besonderes Material verwendet: Der Deckel besteht aus altem, wiederaufbereitetem Resopal – entnommen von Omas altem Küchentisch aus dem Keller.

Schubfach einmal anders: In Tobias Brehms Schreibtisch lässt sich das Innenleben hin- und herschieben.Von der Streichholzschachtel zum Schreibtisch
Auf dem zweiten Rang landete Tischlergeselle Tobias Brehm aus Dinslaken (Ausbildungsbetrieb: Werkstatt 21, Dinslaken). Sein Schreibtisch aus Teak und Linoleum überzeugte die Jury durch eine perfekte Kombination aus gelungener Gestaltung und durchdachter Funktion: Der seitliche Teil in schwarzem Linoleum, das schön an den Farbton des metallenen Untergestells angepasst wurde, lässt sich verschieben und gibt das Innenleben des Tisches frei, das ebenfalls noch einmal verschoben werden kann. Selten, so lobt die Jury, sei die Gestalt eines Möbels geöffnet genauso gelungen, wie geschlossen. In Tobias Brehms Fall sei sie sogar sehr gelungen. „Dass ich einen Schreibtisch als Gesellenstück bauen möchte, stand schon lange fest“, sagt der 23-Jährige. „Auf die Idee mit den verschiebbaren Elementen bin ich dann beim Spielen mit einer Streichholzschachtel gekommen.“

Nicht nur optisch ansprechend: Das Zedernholz der Kommode von Moritz von Schmeling verbreitet einen angenehmen Duft.Eine Kommode für jede Menge Wolle
Mit seiner Kommode aus Zedernholz belegte Moritz von Schmeling aus Münster (Ausbildungsbetrieb: Martin Georgi, Münster) den dritten Rang. Das massiv verarbeitete, fein duftende Zedernholz hat der Tischlergeselle mit grau-grünem Nextel-Lack kombiniert, der dem Stück technisch-kühle Modernität verleiht. „Die schmalen Griffleisten könnten nicht schöner gesetzt sein, der ausgewählte Lack geht mit dem großen Volumen angemessen um“, so die Jury. Bei dem Bau der Kommode hatte der 31-jährige ehemalige Politikstudent die spätere Verwendung des Möbels immer fest im Blick. „Ich habe die Kommode für meine Mutter gebaut“, erklärt er. „Sie fertigt Kunstfilzfiguren und brauchte unbedingt eine Aufbewahrungsmöglichkeit für die Wolle und die anderen Utensilien.“

Chancen beim Bundeswettbewerb
Experimentieren, kreatives Potenzial fördern und fordern – das ist das Ziel der „guten form“. Seit nunmehr 25 Jahren zeigt das Tischlerhandwerk in NRW mit dem Wettbewerb und der Ausstellung, wie gestalterisch begabt die Nachwuchskräfte sind. Die drei Sieger dürfen sich über Geldpreise in Höhe von 750, 600 und 500 Euro freuen. Benedikt Held und Tobias Brehm reisen mit ihren Gesellenstücken zudem im März 2012 zum Bundeswettbewerb nach München.

Drei Belobigungen
Neben den drei Siegern wurden noch drei Stücke mit einer besonderen Belobigung bedacht: Das „Hängeboard“ von Morwenna Bucken aus Werne (Ausbildungsbetrieb: Bernd Herbert Krüger, Hagen), die „Garderobe mit Schuhschrank“ von Tim Helfrich aus Wermelskirchen (Ausbildungsbetrieb: Tischlerei David Müller, Bergisch-Gladbach) und der Phonoschrank von Christian Schwan aus Dinslaken (Ausbildungsbetrieb: Herbert Bassier, Dinslaken) zeichnen sich ebenfalls durch ungewöhnliche und kreative Gestaltung aus.


Teilnehmer

Matthias AnteLukas AntfangSara Anna BajcerJonas BerdingMaximilian BescheTobias BrehmMorwenna BuckenMichael Lars CorstenStefan DammePascal DederichsSteven DiekmannAndreas EngelbertPhilipp FischerMarius GernholtMarie GroßPatrik GoßeDimitrij HaakJulian HammelbeckBenedikt HeldTim HelfrichChristoph HerzingerMelanie HornFabian KaerbschMax KirchhoffAnne KösterMartin KränzelPascal KrohJoscha LauensteinChristopher LehrLarbi LorenzSophie LottermoserMartin MärzhäuserDino MaiellaroStephan MaxwillArne MüllerSven MünchhalfenRene NilgenJakob OphülsRonja PollmannChristian SchesingChristian SchlüterFlorian SchneiderChristian SchwanTimo SchwarzDavid SchwitteLennart TrümplerMoritz von SchmelingSebastian VorwerkLisa WegnerEric Wellkamp