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Sensibles Spiel mit Kontrasten

Stahlblech umhüllt Eiche: Für sein zurückhaltendes, bis ins kleinste Detail sensibel gestaltetes Sideboard „Delden Oak“ wurde der Kölner Manuel Heimbach (Ausbildungsbetrieb RaumWerk, Pulheim) am 8. November 2014 im Rahmen der Messe „Mode Heim Handwerk“ in Essen mit dem ersten Preis beim Landeswettbewerb „Die Gute Form 2014“ in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Insgesamt sind 45 Stücke aus ganz NRW auf dem rund 500 Quadratmeter großen Messestand des Fachverbandes Tischler NRW in Halle 11 noch bis zum 16. November 2014 zu sehen.

Bei dem Siegerstück trägt das leichtere Holz den schweren Stahl. Diese „Umkehr konstruktiver Gewohnheiten“ gefiel der Fachjury ganz besonders. Die vier Gestaltungsexperten und eine -expertin lobten, wie der Kölner das Zusammenspiel der Materialien Eiche und Stahl umgesetzt hat. Das Metall wirke, als sei es in das Holz hineingegossen: „Das Stahlblech fügt sich mit großer Präzision in die Oberfläche aus Eiche ein“, heißt es im Urteil der Jury. Auf eine ausgleichende Fuge zwischen Holz und Stahl hat Manuel Heimbach verzichtet. Das Blech faltet sich um den Korpus und bildet unten eine kleine Ablage. Lobend hebt die Jury auch die leise Zurückhaltung des Stückes mit dem praktischen Nutzen hervor: „Bei seinem Sideboard Delden Oak hat der Tischlergeselle alles Entbehrliche weggelassen. Verdichtet auf das Wesentliche, entwickelt der Entwurf eine einfache Klarheit, die zu hoher Qualität führt.“ Manuel Heimbach habe sensibel und mit Gespür für das sorgfältige Detail gearbeitet: Die Böden der Schubkästen hat er leicht eingefärbt, sodass sie einen schönen Dreiklang erzeugen. Vor seiner Tischlerlehre hat der 28-Jährige als Verwaltungsfachangestellter bei der Stadt Köln gearbeitet. Den Wechsel vom Schreibtisch an die Hobelbank hat er keine Minute bereut. Er arbeitet weiter als Geselle mit dem Ziel, irgendwann in die Selbständigkeit zu gehen und vor allem im Bereich der beruflichen Ausbildung tätig zu sein.

Japanische Esskultur auf Platz 2
Auf die Knie gehen kann man vor dem zweiten prämierten Stück von Phil Imhausen aus Bergneustadt (Ausbildungsbetrieb: Werkstatt für Möbeldesign Krauthoff, Wiehl). Sein niedriger Esstisch aus „wuchtigen, breiten Kirschbaum-Brettern mit Baumrinde, die sich in ihrer ganzen natürlichen Schönheit entfalten“, so die Jury, greife in den konstruktiven Verbindungen die japanische Tradition der Holzverarbeitung auf. Auch die Höhe des Tisches erinnere an die japanische Kultur, wo meist kniend gegessen wird. Die Jury hebt an dem Tisch auch die Kontraste hervor: „So rau bearbeitet die Platte in ihrer urtümlichen Kraft ist, so fein sind die beiden herausdrehbaren Kästchen unter dem Tisch gefertigt.“ Das Material für seinen Tisch hat Phil Imhausen durch Zufall entdeckt. Vor rund drei Jahren fiel sein Blick in seinem Heimatort auf einen vom Wind umgestürzten Kirschbaum – und schon damals stand für den heute 25-Jährigen fest, dass er daraus sein Gesellenstück bauen möchte.

Platz 3 für ein traditionelles Möbel, neu interpretiert
Kleine Schreibmöbel wie das Stück des dritten Siegers Jan Dieberg aus Bochum (Ausbildungsbetrieb Werkstätten Dickerhoff, Bochum) sind dank Laptop und Tablet inzwischen wieder populär: „Mit ruhiger Selbstverständlichkeit wird die traditionelle Gestalt des Sekretärs aufgenommen und einer modernen Nutzung zugeführt“, lautete das Urteil der Jury, welche die Verarbeitungsqualität besonders lobte: „Jan Dieberg hat in feinster handwerklicher Qualität einen Schreibsekretär gebaut“, der dem eingesetzten wunderbaren „Kirschbaumholz auf das Schönste gerecht“ werde. „Ich wollte ein zeitloses Möbel schaffen, für das man immer Verwendung hat“, sagt der 26-Jährige. Die erste Aufgabe wartet auf den mit Linoleum belegten Sekretär auch schon: Jan Diebergs Frau wird an ihm ihre Masterarbeit in Theaterwissenschaften schreiben.

Drei Belobigungen
Neben den drei Siegern wurden drei weitere Stücke mit Belobigungen ausgezeichnet: Beim „Eckigen Drachenei“ von Romina Friedrich aus Düsseldorf (Ausbildungsbetrieb Dirk Schmidt, Atelier für Holzbearbeitung, Düsseldorf) in weißem Lack und Eiche-Multiplex gefiel der Jury besonders, wie „unbekümmert, eigenständig und frech“ es daher kommt. Das wandelbare Möbel „90°“ von Simon Spatz aus Heelden (Ausbildungsbetrieb Bernhard Klocke, Möbelwerkstätte, Borken) kann wahlweise waagerecht oder als Stele senkrecht aufgestellt werden. Eine dritte Belobigung hat die Jury für den eigenwilligen Hängeschrank von Jana Platte aus Remscheid (Ausbildungsbetrieb Tischlerei Klaus Gartmann) ausgesprochen. Bei dem Stück klammern zwei Stahlbleche die beiden Quader aus Eichenholz zusammen.

Chancen beim Bundeswettbewerb
Experimentieren, kreatives Potenzial fördern und fordern – das ist das Ziel des Gestaltungswettbewerbes „Die Gute Form“. Seit 28 Jahren zeigt das Tischlerhandwerk in NRW mit dem Wettbewerb und einer Ausstellung der prämierten Gesellenstücke, wie gestalterisch begabt die Nachwuchskräfte sind. Die drei Sieger dürfen sich über Geldpreise in Höhe von 750, 600 und 500 Euro freuen. Die ersten beiden Manuel Heimbach und Phil Imhausen reisen außerdem mit ihren Gesellenstücken im Mai 2015 zum Bundeswettbewerb nach Hannover.

Fünf Gestalter in der Jury
Die Auszeichnungen im Wettbewerb „Die Gute Form“ wurden vergeben von einer Fachjury, die sich zusammensetzte aus dem Recklinghäuser Tischlermeister Jürgen Hegering, dem Gestalter im Handwerk Franz Klein-Wiele von der Tischlerwerkstatt der Fachhochschule Düsseldorf, der Designerin Uta Kurz aus Hilden, dem Dombaumeister des Bistums Essen Ralf Meyers und dem Formgebungsberater des Fachverbandes Tischler NRW Hans Christoph Bittner.



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