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Scheibchenweise auf Platz 1


Auf Platz 1 geht es rund: Mit seinem Gesellenstück zeigt Florian Neuhaus, dass ein Möbel auch ohne Korpus auskommen kann. Mit seiner zylindrischen Stele „Round about“ aus HPL und geschwärzter Eiche überzeugte der junge Tischler aus Duisburg die Jury und darf sich über den Sieg beim Landeswettbewerb „Die Gute Form 2018“ freuen. Das Möbel von Florian Neuhaus ist eines von 45 Gesellenstücken aus ganz NRW, die auf dem rund 630 Quadratmeter großen Messestand des Fachverbandes Tischler NRW noch bis zum 18. November 2018 zu sehen sind.

Bei dem Siegerstück verschwimmen die Grenzen zwischen Möbel und Objekt. Florian Neuhaus, der seine Ausbildung bei der Tischlerei Reichenberg-Weiss in Neukirchen-Vluyn absolviert hat, hat seine Stele aus lauter dünnen Scheiben konstruiert. Diese sind mit deutlichem Abstand auf vertikale Stäbe geschichtet. Rundherum sind die Scheiben mit Kreide beschriftet und werden so zum Träger von Lyrik. Oben dreht ein kleiner Deckel zur Seite und gibt ein kreisrundes Fach frei. „Auf den ersten Blick entsteht der Eindruck von entschiedener Klarheit, deren Härte durch die umlaufende Handschrift auf den konzentrischen Scheiben aber freundlich gemildert wird“, heißt es in der Begründung der Jury. „Gleichzeitig weckt die Schrift die Aufmerksamkeit des Betrachters, und macht neugierig auf den Innenraum.“ Jeweils einige der Scheiben lassen sich zusammenschieben und werden von Magnetkraft gehalten, so dass sich ein Fach öffnet.

Platz 2: Barschrank mit durchsichtigem Korpus
Mit seinem Barschrank landet Melwin Silvester Röllecke aus Meschede (Ausbildungs-betrieb: Fabri GmbH & Co. KG, Meschede) auf dem zweiten Platz. „Proportion, Rhythmus, Genauigkeit“ – die Jury hebt bei diesem Gesellenstück die grundsätzlichen Aspekte guter Gestaltung hervor. „Der Betrachter sieht eine gleichmäßige Schichtung horizontaler Ebenen aus schmalen Teakholzleisten mit Luftzwischenraum auf Abstand gesetzt, gehalten von Acrylglasscheiben, oben und unten als Boden flächig ausgeführt“, so die Jury. Der Barschrank spielt so mit dem Gegensatz aus durchsichtig und verborgen, denn auch im geschlossenen Zustand ist zu erkennen, was sich im Inneren befindet. Weiterhin hebt die Jury hervor: „Alle Beschläge sind filigran ausgeführt und bis an die Grenze des Möglichen reduziert. Und dabei erstaunlich praktisch, wie die Höhenverstellbarkeit des Fachbodens zeigt.“

Esstisch aus Esche und Stahl belegt Platz 3
Laurens Hübsch hat aus klassischen, handwerklichen Zutaten ein sehr stimmiges und gelungenes Möbel gebaut. Dafür zeichnet ihn die Jury mit dem 3. Preis aus. Für seinen Esstisch hat der Tischlergeselle, der bei der Schreinerei Hampel in Bonn ausgebildet wurde, die Materialien Esche und Stahl verwendet. „Die Sorgfalt der Holzauswahl und die handwerkliche Konstruktion verdeutlichen die lebendige Tradition, die im Tischlerhandwerk zuverlässig zuhause ist“, so die Jury. „Platte und Zarge aus Massivholz werden von den Fußstollen aus scharfkantig gefügtem Stahlblech getragen – eine treffend ausgewählte Materialergänzung.“

Drei Belobigungen
Neben den drei Siegern zeichnete die Jury drei weitere Stücke mit Belobigungen aus: Eine Belobigung erhielt Matthias Wierz (Ausbildungsbetrieb: Tischlerei Frank Czasny, Langenfeld) für seinen Sekretär aus Eiche, der an drei Seiten mit gerostetem Stahlblech eingefasst ist. Der Deckel des Korpus lässt sich mit einem ausgeklügelten Mechanismus nach hinten schieben, so dass Bewegungsfreiraum für den Benutzer entsteht. Insbesondere für diese selbst entwickelten und gut bedienbaren Beschläge spricht die Jury eine Belobigung aus. Eine weitere Belobigung geht an den Wuppertaler Marcel Fromm (Ausbildungsbetrieb: Tischlerei Hans Bolender, Wuppertal) für sein „Kantholzkarussell“. Das Besondere an dem Gesellenstück, das wie ein schlichtes Wandbild designt ist: Nur mit den Fingerkuppen lässt sich die kleine, geheime Öffnung ertasten, die herausgezogen einen Minischubkasten öffnet und hineingedrückt von einem auf der Rückseite eingebauten Karussell mitgenommen wird, das insgesamt vier kleine Auszüge wie Gondeln passgenau vor die Öffnung fährt. Ebenso eine Belobigung erhält Josua Mazurek (Ausbildungsbetrieb: Fachhochschule Dortmund) für seinen Schreibtisch aus Birke. Die Jury lobt: „Die eingesetzten, gelb lackierten Blenden spielen mit dem zufälligen Muster geometrischer Formen in mehrlagiger Schichtung. Ganz so zufällig auch wieder nicht: vorausschauend geplant gibt es Kreuzungspunkte, die sich überlagern und so die Befestigung der Blende von innen ermöglichen.“

Chancen beim Bundeswettbewerb
Experimentieren, kreatives Potenzial fördern und fordern – das ist das Ziel des Gestaltungswettbewerbes „Die Gute Form“. Seit über 30 Jahren zeigt das Tischlerhandwerk in NRW mit dem Wettbewerb und einer Ausstellung der prämierten Gesellenstücke, wie gestalterisch begabt die Nachwuchskräfte sind. Die drei Sieger dürfen sich über Geldpreise in Höhe von 750, 600 und 500 Euro freuen. Die Siegerstücke auf Platz 1 und 2 werden zudem im Mai 2019 beim Bundeswettbewerb im Rahmen der Messe Ligna in Hannover an den Start gehen.


„Die Gute Form 2018 NRW“ – Die Jury
Gritt Bartels
Innenarchitektin, Bartels & Klang Innenarchitektur, Gelsenkirchen

Manfred Stommel-Prinz
Architekt, atelier prinz, Bergisch Gladbach

Paul-Gerd Rössling
Tischlermeister, Tischlerei Rössling, Solingen

Rainer Söntgerath
Tischlermeister, Wohn-Room Innenausbau, Köln
Verbandsvorsitzender Tischler NRW


Hans Christoph Bittner
Gestaltungsberater Tischler NRW



Teilnehmer